Don’t bet it all.


Welche Aktienquote ist die richtige für dich?

Die Antwort hängt zu einem großen Teil vom Anlagehorizont ab.

Über lange Zeiträume setzt sich bei Aktien in der Regel ihr positiver Erwartungswert durch. Kurzfristig dominieren dagegen oft zufällige und teilweise heftige Schwankungen.

Das Problem: Diese Aussage bleibt abstrakt, solange man nicht sieht, wie sich Risiko tatsächlich über die Zeit entwickelt.

Die folgende Heatmap macht genau das sichtbar. Sie zeigt, wie häufig ein Anlagepfad am Ende unterhalb des Startkapitals liegt – also mit einem Verlust endet. Grundlage ist eine Monte-Carlo-Simulation mit unterschiedlichen Aktienquoten und einer Verzinsung des sicheren Portfolioteils von 2 % p.a. (Tagesgeldniveau).

Da die Simulation auf zufälligen Ziehungen historischer Renditen basiert, entstehen bewusst keine vollkommen glatten oder monotonen Verläufe. Einzelne lokale Abweichungen – etwa leicht höhere Verlustwahrscheinlichkeiten bei längeren Zeiträumen – stellen daher keinen strukturellen Widerspruch dar, sondern spiegeln Stichprobenvarianz und Pfadabhängigkeit wider. Die Frage, ob Rebalancing erfolgt, ist für diese konkrete Betrachtung von untergeordneter Bedeutung.

Das Muster bleibt dennoch klar: Mit zunehmendem Anlagehorizont verschiebt sich die Verteilung immer stärker zugunsten des Investors. Zeit reduziert Unsicherheit – sie beseitigt sie jedoch nicht vollständig.

Was diese Darstellung jedoch nicht zeigt, ist entscheidend für reale Anlageentscheidungen: warum Investoren vorher aussteigen.

Denn in der Realität scheitern Investoren selten am Endpunkt. Sie scheitern am Weg dorthin.

Hier kommt der maximale Drawdown ins Spiel — also die Frage, wie stark ein Portfolio zwischenzeitlich vom letzten Hochpunkt bis zum Tiefpunkt fallen kann.

Für jeden simulierten Anlagepfad wird dieser schlimmste Verlust gemessen und anschließend über alle Pfade gemittelt. Dieser Mittelwert beschreibt dann den durchschnittlichen, also erwartbaren maximalen Drawdown.

Das Ergebnis ist einfach, aber relevant: Bei einem vollständigen Aktieninvestment sind zwischenzeitliche Rückgänge von rund 45–50% möglich.

Über lange Horizonte wirkt diese Zahl zunächst abschreckend. Doch in Kombination mit der ersten Heatmap ergibt sich ein klares Bild: Langfristig steigt die Wahrscheinlichkeit eines positiven Ergebnisses deutlich. Kurzfristig bleibt der Weg dorthin jedoch unruhig — und oft schmerzhaft.

Oder anders formuliert: Die erste Grafik zeigt, wie oft du gewinnst. Die zweite zeigt, warum du vorher zweifelst.

Der Vollständigkeit halber wurde der maximale Drawdown auch mit jährlichem Rebalancing gemessen. Die Unterschiede sind nicht dramatisch, aber es ist gut zu erkennen, dass eine jährliche Anpassung der Aktienquote zu etwas geringerem Risiko führt.

In den meisten Fällen führt eine Rebalancing-Anpassung zu einer Reduktion der Aktienquote, da Aktien im Mittel höhere Renditen als die Cash-Komponente erzielen.

Im nächsten Schritt wird sichtbar, was ein Drawdown tatsächlich ist: kein abstrakter Risikowert, sondern ein konkreter Pfad vom letzten Hochpunkt bis zum tiefsten Punkt danach. Hier exemplarisch fünf Pfade mit den größten Verlustepisoden.

Die orange markierten Abschnitte sind genau diese Phasen — die Stellen, an denen Vermögen zwischenzeitlich deutlich unter Druck gerät.

Das ist der zentrale Spannungsbogen dieses Systems: Einige Pfade verlaufen über lange Zeiträume hinweg dauerhaft negativ, teilweise sogar über 30 Jahre. Andere erholen sich vollständig. Genau diese Streuung ist der entscheidende Punkt.

Wichtig ist zudem: Die Simulation basiert auf 5.000 Pfaden. Das Auftreten solcher Extremverläufe ist deutlich unwahrscheinlicher, als es die Visualisierung auf den ersten Blick vermuten lässt.

Was bedeutet das nun praktisch?

Bei einem Anlagehorizont von deutlich über 10 Jahren spricht vieles für eine hohe Aktienquote — vorausgesetzt, man kann die zwischenzeitlichen Schwankungen aushalten.

Wenn Kapital innerhalb von 10 Jahren sicher benötigt wird, können sehr viel niedrigere Aktienquoten sinnvoll sein, insbesondere wenn größere temporäre Verluste schwer zu verkraften sind.

Für kurzfristige und bewusst risikoorientierte Strategien gelten dagegen andere Maßstäbe.

Die Entscheidung bleibt individuell – die Risikostruktur ist es jedoch nicht.


Exemplarische Verläufe:


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