Ein guter Plan braucht kein Timing.


Es gibt kaum eine Anlageform, die so unspektakulär wirkt wie ein ETF-Sparplan.
Einmal eingerichtet, passiert lange Zeit: nichts Sichtbares.
Genau deshalb unterschätzen ihn viele.

Dargestellt ist die mögliche Entwicklung eines monatlichen Sparplans von 500 € in den Aktienmarkt über 30 Jahre:

Entwicklung eines Sparplans mit verschiedenen Quantilen

Das Modell basiert auf historischen Jahresrenditen des S&P 500 und verwendet eine vereinfachte Zerlegung in monatliche Perioden zur Simulation eines monatlichen Sparplans. Konkret wird z.B. für 2008 eine Monatsrendite von -3,8% angenommen:

(1+rJahr)1121=rMonat (1+r_{\text{Jahr}})^{\frac{1}{12}}-1 =r_{\text{Monat}}

Einsetzen von einer Jahresrendite für 2008 von minus 37% ergibt:

(10,37)11210,038=3,8%(1 – 0{,}37)^{\frac{1}{12}} – 1 \approx -0{,}038 = -3{,}8\%

Das bedeutet: Die Jahresrendite von 2008 wird für die Simulation auf zwölf gleichmäßige Monatsrenditen verteilt.

Wichtig ist: Die Simulation ist keine Prognose. Sie zeigt vielmehr, wie sich ein monatlicher Sparplan unter Verwendung historisch beobachteter Renditen entwickeln konnte bzw. entwickeln könnte. Die dargestellten Verläufe sind daher mögliche Szenarien – keine Vorhersagen der zukünftigen Wertentwicklung.

Die lineare Darstellung wirkt noch etwas eindrücklicher (die leicht anderen Werte tragen dem Zufall Rechnung, jede Simulation „zieht“ andere historische Renditen):

Entwicklung eines Sparplans mit verschiedenen Quantilen in linearer Darstellung

Die gleiche Simulation wurde zusätzlich mit einem detaillierteren Modell durchgeführt, um zu überprüfen, ob die vereinfachte Zerlegung von Jahresrenditen die Realität zu stark glättet.

Dabei werden nicht nur historische Jahresrenditen verwendet, sondern die tatsächlichen Monatsrenditen innerhalb eines Jahres.

Für das Jahr 2008 bedeutet dies beispielsweise:

Statt zwölf identischer Monatsrenditen von etwa -3,8% werden die tatsächlichen Monatsentwicklungen verwendet:

  • Januar: -6,1%
  • Februar: -3,3%
  • März: -0,4%
  • usw.

Während das erste Modell mögliche zukünftige Entwicklungspfade auf Basis historischer Jahresrenditen simuliert, berücksichtigt dieses Modell somit zusätzlich die zeitliche Struktur innerhalb eines Jahres.

Entwicklung eines Sparplans mit verschiedenen Quantilen unter Berücksichtigung monatlicher Renditen

Die Ergebnisse unterscheiden sich nur geringfügig. Dies zeigt, dass die langfristige Renditeverteilung entscheidender ist als die genaue monatliche Modellierung innerhalb einzelner Jahre.


5%-Quantil von ETF-Sparplan und Einmalanlage über 30 Jahre im Vergleich

Während die vorherigen Darstellungen mögliche Zukunftspfade simulieren, betrachtet die folgende Analyse reale historische 10-Jahres-Zeiträume des S&P 500 seit 1930.

Verlustrisiko eines ETF- Sparplans in Abhängigkeit von der Zeit in Jahren

Für jeden möglichen Startzeitpunkt in der Vergangenheit wurde ein monatlicher Sparplan über zehn Jahre simuliert und anschließend mit der Summe der eingezahlten Beiträge verglichen.

Auch dieses Ergebnis zeigt: Ein Sparplan kann über einen Zeitraum von zehn Jahren unter den eingezahlten Beiträgen liegen. In etwa 8% der betrachteten 10-Jahres-Zeiträume lag der Depotwert am Ende der Periode noch unter der Summe der Einzahlungen.


Diese Fälle traten insbesondere dann auf, wenn der Sparplan in eine längere Phase schwacher Aktienmärkte gestartet wurde. Ein Beispiel hierfür ist ein Sparplanstart Anfang 1999. Die Kombination aus hoher Bewertung zu Beginn, der Dotcom-Krise und der anschließenden Finanzkrise führte dazu, dass der Depotwert nach zehn Jahren (also zum Tiefpunkt nach der Finanzkrise Anfang 2009) noch unter den kumulierten Einzahlungen lag:

Historischer Verlauf eines 10-jährigen Sparplans während einer besonders schwachen Aktienmarktperiode

Wichtig ist dabei die zeitliche Einordnung: Der betrachtete Zeitraum endet genau in einer der schwersten Marktphasen der jüngeren Geschichte. Bereits kurz danach begann eine kräftige Erholung der Aktienmärkte. Ein längerer Anlagehorizont hätte dieses historische Verlustszenario deutlich relativiert.


Die Analyse zeigt damit jedoch nicht, dass Sparpläne ungeeignet sind. Durch die regelmäßigen Käufe wird das Risiko eines einzelnen ungünstigen Einstiegszeitpunkts reduziert. Gleichzeitig bleibt ein ausreichend langer Anlagehorizont entscheidend.

Die folgende Grafik stellt dem Sparplan eine Einmalanlage mit identischem Kapitaleinsatz (jeweils wieder 180.000 €) auch mit den günstigen Quantilen gegenüber:

Vergleich Sparplan mit Einmalanlage

Die folgende interaktive Monte-Carlo-Simulation untersucht eine Vielzahl möglicher Entwicklungspfade auf Basis historischer Renditeverteilungen.


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